Was ist eine Kontraktur?
Eine Kontraktur ist eine dauerhafte Bewegungseinschränkung eines Gelenks. Muskeln, Sehnen und Bänder rund um das Gelenk haben sich so weit verkürzt, dass es sich nicht mehr vollständig beugen oder strecken lässt. Häufig ist jede Bewegung dann mit Schmerzen verbunden, was die Betroffenen dazu bringt, das Gelenk noch mehr zu schonen.
Am häufigsten zeigt sich eine Gelenkversteifung als Beugekontraktur. Das Gelenk bleibt dabei in einer gebeugten Stellung fixiert, typisch an Knie, Hüfte, Ellenbogen und Fingern. Seltener versteift ein Gelenk in gestreckter Haltung, etwa das Sprunggelenk beim Spitzfuß.
Wie eine Gelenkversteifung entsteht
Muskeln und Bindegewebe passen sich an das an, was sie täglich leisten müssen. Wird ein Gelenk über längere Zeit nicht bewegt, bilden sich Muskulatur und Gelenkkapsel zurück, die Sehnen verlieren an Länge. Nach Verletzungen kann zusätzlich Narbengewebe die Beweglichkeit einschränken. Der Volksmund bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, wer rastet, der rostet.
Wie schnell Kontrakturen entstehen
Kontrakturen entwickeln sich schneller, als viele denken. Laut AOK kann es bereits nach zwei Wochen Immobilität zu Gewebeveränderungen kommen, die eine Versteifung begünstigen. Eine kurze Krankheitsphase mit viel Bettruhe reicht also aus, um das Risiko deutlich zu erhöhen. Kontrakturen in den Beinen beeinträchtigen außerdem die Gangsicherheit, was wiederum die Gefahr von Stürzen im Alter steigert.
Risikofaktoren: Wer eine Kontrakturenprophylaxe braucht
Gefährdet ist jeder, der sich über längere Zeit wenig bewegt oder ein Gelenk bewusst schont. Die folgenden Risikofaktoren kommen in der ambulanten Pflege besonders häufig vor. Je mehr davon zusammenkommen, desto wichtiger wird eine gezielte Vorbeugung.
Erkrankungen von Gelenken, Muskeln und Nerven
- Erkrankungen der Gelenke wie Arthrose
- Erkrankungen an Bändern, Sehnen, Gelenkkapseln und Muskeln
- Erkrankungen des Nervensystems, etwa nach einem Schlaganfall, bei Parkinson oder Multipler Sklerose
- Psychische Erkrankungen wie Depression und Demenz, weil Antrieb und Bewegungsfreude nachlassen
Bettlägerigkeit, Schonhaltung und Ruhigstellung
- Fehl- und Schonhaltungen aufgrund von Schmerzen
- Bettlägerigkeit
- Weichlagerung zur Vorbeugung eines Druckgeschwürs, weil die weiche Matratze Eigenbewegungen hemmt
- Ruhigstellung durch Medikamente oder Gurte
- Ruhigstellung eines Gelenks, zum Beispiel durch einen Gips
Gerade Schmerzen setzen einen Kreislauf in Gang. Wer Schmerzen hat, bewegt sich weniger, das Gelenk wird steifer und jede Bewegung tut noch mehr weh. Welche Ursachen hinter Schmerzen im Alter stecken und wie man sie behandeln lässt, lesen Sie im Beitrag zu Schmerzen im Alter.
Kontrakturenprophylaxe: Maßnahmen, die im Alltag wirken
Das Ziel der Kontrakturenprophylaxe ist, die schmerzfreie Beweglichkeit aller Gelenke zu erhalten. Die wirksamste Maßnahme ist dabei die unscheinbarste, nämlich möglichst viel selbst zu tun.

Selbstständigkeit erhalten und zur Bewegung motivieren
Jede Tätigkeit im Haushalt ist ein kleines Bewegungsprogramm. Beim An- und Ausziehen, beim Zusammenlegen der Wäsche oder beim Abtrocknen des Geschirrs arbeiten Schultern, Ellenbogen, Hände und Finger. Nutzen Sie diesen Bewegungsspielraum so weit wie möglich aus, auch wenn es langsamer geht als mit Hilfe.
Für Angehörige heißt das, nicht jede Handreichung sofort abzunehmen. Wer die Tasse selbst holen darf, bewegt dabei Hüfte, Knie und Arme. Motivation ist oft der schwierigere Teil, deshalb helfen feste Zeiten und kleine gemeinsame Rituale, etwa ein kurzer Gang durch die Wohnung nach dem Frühstück.
Kontrakturenprophylaxe-Übungen für jeden Tag
Ergänzend zur Bewegung im Alltag lohnt sich ein kleines tägliches Gymnastikprogramm. Bewährt haben sich zum Beispiel diese einfachen Übungen.
- Arme kreisen lassen
- auf der Stelle Treppensteigen, also die Knie abwechselnd anheben
- Hüftkreisen im Stehen oder mit Festhalten
- die Finger zur Faust schließen und wieder öffnen
Achten Sie darauf, dass alle Gelenke einbezogen werden, von den Schultern bis zu den Zehen. Bewegen Sie jedes Gelenk mindestens zweimal täglich mit 5 bis 10 Wiederholungen in alle Richtungen, die das Gelenk natürlicherweise zulässt. Welche Übungen im Einzelfall passen, besprechen Sie am besten mit der Physiotherapeutin oder der Pflegefachkraft.
Bewegen Sie ein Gelenk nie gegen Widerstand und nie über die Schmerzgrenze hinaus. Die Übung soll dehnen, nicht wehtun.
Aktive, assistive und passive Bewegungsübungen
Wie viel ein Mensch selbst leisten kann, bestimmt die Art der Übung. Die Pflege unterscheidet drei Formen.
| Form | Wer bewegt? | Für wen geeignet |
|---|---|---|
| Aktive Bewegung | Die pflegebedürftige Person bewegt sich selbstständig | Alle, die ihre Gelenke noch aus eigener Kraft bewegen können |
| Assistive Bewegung | Die Pflegeperson führt die Bewegung, die pflegebedürftige Person wirkt so weit wie möglich mit | Menschen mit nachlassender Kraft oder einseitiger Lähmung |
| Passive Bewegung | Die Pflegeperson bewegt die Gelenke vollständig durch | Menschen, die nicht mehr mitwirken können, etwa bei Bewusstlosigkeit oder schwerer Lähmung |
Passive Bewegungsübungen sind die letzte Stufe. Solange jemand mithelfen kann, ist die assistive Form besser, weil die eigene Muskelarbeit erhalten bleibt. Hilfreich ist ein Bewegungsplan, den Sie gemeinsam mit der Pflegefachkraft oder der Physiotherapeutin erstellen. Darin steht, welches Gelenk wann und wie bewegt wird, sodass auch wechselnde Angehörige denselben Ablauf einhalten.

Lagerung bei bettlägerigen Menschen
Wer das Bett kaum noch verlassen kann, braucht regelmäßige Positionswechsel. Lagern Sie die Gelenke abwechselnd in Streck-, Beuge- und Mittelstellung, damit keine Haltung zur Dauerhaltung wird. Ein Lagerungsplan am Bett hilft, den Überblick zu behalten, wann welche Position an der Reihe ist. Häufige Lagewechsel belüften außerdem die Lunge. Welche Lagerungen dafür geeignet sind, erklärt der Ratgeber zur Pneumonieprophylaxe.
Eine sehr weiche Matratze beugt zwar Druckgeschwüren vor, hemmt aber die Eigenbewegung, weil der Körper tief einsinkt. Hier gilt es, beide Risiken gegeneinander abzuwägen, am besten gemeinsam mit einer Pflegefachkraft. Wie Sie die Haut bettlägeriger Menschen schützen, erklärt der Ratgeber zur Hautpflege bei Pflegebedürftigen.
Was die Forschung zu Übungen und Lagerung sagt
Bewegungsübungen gehören seit Jahrzehnten zur Grundpflege. Wie gut sie eine Kontraktur tatsächlich verhindern, ist wissenschaftlich allerdings nicht abschließend geklärt. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration fand für regelmäßiges Dehnen keine klinisch bedeutsame Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit. Auch für rein passive Bewegungsübungen zeigen Studien bestenfalls begrenzte Effekte.
Daraus folgt nicht, die Übungen zu lassen. Die Forschung zeigt vor allem, dass die aktive Bewegung im Alltag mehr zählt als ein Programm, das an einem passiven Menschen durchgeführt wird. Neuere Pflegekonzepte wie das PECAN-Konzept setzen deshalb auf Teilhabe und Aktivität. Wer mitmacht, aufsteht, sich selbst wäscht und am Tisch isst, schützt seine Gelenke nachhaltiger als durch jede Übung im Liegen.
Spitzfuß: die häufigste Kontraktur bei bettlägerigen Menschen
Der Spitzfuß ist eine Sonderform der Gelenkversteifung im Sprunggelenk. Bei bettlägerigen Menschen entsteht er vor allem durch den Druck der aufliegenden Bettdecke auf die Fußspitze. Der Fuß wird über Wochen nach unten gedrückt, die Wadenmuskulatur und die Achillessehne verkürzen sich.
Die Folgen sind schwerwiegend. Ist das Sprunggelenk in dieser Stellung versteift, kann der Fuß beim Gehen nicht mehr abrollen, denn die Ferse erreicht den Boden nicht mehr. Wer so lange lag, dass sich ein Spitzfuß gebildet hat, kann danach oft nicht mehr laufen.

Spitzfußprophylaxe im Bett
- Bewegen Sie die Füße regelmäßig, indem Sie die Fußspitze abwechselnd Richtung Knie ziehen und wieder strecken.
- Minimieren Sie den Druck der Bettdecke mit einem Bettbogen, der die Decke über den Füßen anhebt. Alternativ können Sie die Bettdecke über ein Fußbrett hängen.
- Lagern Sie die Füße mit einer weichen Fußstütze im rechten Winkel und die Fersen dabei weich oder hohl, damit dort kein Druck entsteht.
Im Sitzen auf die Füße achten
Kann der Mensch noch sitzen, sollten die Füße mit der ganzen Fußsohle auf dem Boden stehen. Bei kleinen Menschen hilft ein Hocker, damit die Füße nicht in der Luft hängen. Bequeme, knöchelhohe Schuhe geben dem Sprunggelenk zusätzlich Halt.
Wenn schon eine Kontraktur besteht
Hat sich eine Gelenkversteifung bereits gebildet, gehört die Behandlung in fachliche Hände. Infrage kommen vor allem diese Maßnahmen.
- krankengymnastische Behandlung
- Massagen
- Wärmebehandlungen
- eine operative Lösung, die nur als letzte Möglichkeit infrage kommt
Die Kontrakturenprophylaxe hört damit nicht auf. Sie verhindert, dass sich die bestehende Kontraktur verschlimmert und weitere Gelenke betroffen sind. Treten Schmerzen, Fieber, Rötungen oder Schwellungen auf, setzen Sie die Übungen aus und sprechen Sie mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.
Wie die Diakoniestation Pforzheim Sie unterstützt
Unsere Pflegefachkräfte zeigen Ihnen gerne, wie Sie die einzelnen Gelenke Ihres Angehörigen fachgerecht durchbewegen und richtig lagern. Wir beraten und schulen Sie direkt bei Ihnen zu Hause, ganz nach Ihrem Bedarf. Die meisten Pflegekassen übernehmen die Kosten für diese Pflegeanleitung.
Seit 1975 versorgen wir Menschen im Stadtgebiet Pforzheim einschließlich Würm, Büchenbronn, Eutingen und Mäurach, fast ausschließlich mit examinierten Pflegefachkräften. Wir unterstützen Sie unter anderem mit diesen Leistungen:
- Pflegeberatung und Pflegeanleitung bei Ihnen zu Hause, inklusive Bewegungs- und Lagerungsplan
- Beratungseinsatz für Ihre Pflegekasse, wenn Sie Pflegegeld beziehen
- Leistungen der Kranken- und Altenpflege, wenn Sie selbst entlastet werden möchten
Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Wir vereinbaren einen Termin, bei dem wir uns die Situation vor Ort ansehen.