Vergesslichkeit oder Demenz: wo der Unterschied liegt

Jeder Mensch vergisst gelegentlich einen Namen, einen Termin oder den Grund, warum er gerade in die Küche gegangen ist. Das gehört zum Älterwerden und ist kein Krankheitszeichen. Ein verlegter Schlüssel, der nach kurzem Suchen wieder auftaucht, ist harmlos.

Anders verhält es sich, wenn eine Gedächtnisstörung den Alltag dauerhaft stört. Das Leitsymptom aller Demenzerkrankungen ist die Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Betroffene vergessen kürzlich Gelerntes häufiger und erinnern sich auch später nicht mehr daran, selbst wenn man nachhilft. Eine gesunde Person verlegt die Brille. Ein Mensch mit beginnender Demenz weiß irgendwann nicht mehr, wozu die Brille dient.

Im oberflächlichen Kontakt überspielen Betroffene ihre Defizite oft erstaunlich gut. Deshalb merken im Frühstadium selbst enge Angehörige häufig nicht, dass etwas nicht stimmt. Erst wenn vertraute Tätigkeiten schwerfallen, der Umgang mit Geld unsicher wird oder gewohnte Wege plötzlich verwirren, wird das Ausmaß deutlich.

Die zehn typischen Anzeichen für Demenz im Überblick

Eine Demenz beginnt schleichend. Je früher Sie die Symptome einordnen, desto eher lässt sich gegensteuern. Auf diese Veränderungen sollten Sie achten, wenn sie über Wochen oder Monate auftreten:

  • Wiederkehrende Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, etwa mehrfaches Nachfragen nach demselben Sachverhalt
  • Schwierigkeiten, gewohnte Aufgaben zu erledigen, zum Beispiel Kochen nach Rezept oder die Bedienung von Haushaltsgeräten
  • Wortfindungsstörungen oder abgebrochene Sätze mitten im Gespräch
  • Zeitliche und räumliche Orientierungsprobleme, auch in vertrauter Umgebung
  • Nachlassendes Urteilsvermögen, etwa bei Geldgeschäften
  • Verlegen von Gegenständen an ungewöhnliche Orte
  • Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Anlass
  • Veränderungen der Persönlichkeit, etwa neue Unruhe, Misstrauen oder Reizbarkeit
  • Rückzug aus dem gesellschaftlichen und familiären Leben
  • Verlust der Eigeninitiative

Wenn einzelne Punkte zutreffen, ist dies noch kein Beweis für eine Erkrankung. Treten jedoch mehrere gemeinsam und über einen längeren Zeitraum auf, sollten Sie ärztlichen Rat suchen.

Welche Formen der Demenz es gibt

Hinter dem Oberbegriff Demenz stehen verschiedene Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Ursachen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz, bei der Nervenzellen im Gehirn nach und nach absterben. Daneben gibt es die vaskuläre Demenz, die durch Durchblutungsstörungen entsteht, sowie Mischformen und seltenere Varianten wie die Lewy-Körperchen-Demenz oder die frontotemporale Demenz.

Diese Unterscheidung ist mehr als akademisch. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Manche sekundären Demenzformen, etwa durch Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel oder Medikamentennebenwirkungen, lassen sich teilweise zurückbilden, wenn die Grunderkrankung behandelt wird. Nur eine ärztliche Abklärung kann feststellen, um welche Form es sich konkret handelt.

Wie sich Demenz im Verlauf verändert

Eine Demenz schreitet in der Regel fort, das Tempo ist individuell sehr verschieden. Grob lassen sich vier Phasen beschreiben.

Im Frühstadium stehen Gedächtnislücken und Wortfindungsprobleme im Vordergrund. Betroffene bewältigen ihren Alltag noch weitgehend selbst, ziehen sich aber oft zurück, weil sie ihre Defizite spüren.

Im mittleren Stadium treten die Symptome deutlicher hervor. Vertraute Tätigkeiten gelingen nicht mehr ohne Hilfe, die Orientierung lässt nach, Verhaltensauffälligkeiten nehmen zu. Unterstützung im Alltag wird jetzt unverzichtbar.

Im fortgeschrittenen Stadium kommen körperliche Symptome hinzu. Auch das Langzeitgedächtnis verschlechtert sich, vertraute Personen werden nicht mehr erkannt. Im Verlauf kann es zu Inkontinenz kommen, meist beginnend mit der Harninkontinenz, der sich durch häufige Toilettengänge teils vorbeugen lässt.

Im Spätstadium sind Betroffene umfassend auf Pflege angewiesen. Sprache, Mobilität und Selbstständigkeit gehen weitgehend verloren.

Sie sind unsicher, ob die Veränderungen bei Ihrem Angehörigen noch normal sind? Sprechen Sie mit uns. In unserer Pflegeberatung ordnen wir Ihre Beobachtungen gemeinsam ein und zeigen Ihnen konkrete nächste Schritte. Vereinbaren Sie ein unverbindliches Gespräch über unser Kontaktformular.

Warum ein früher Arztbesuch so wichtig ist

Viele Angehörige zögern, aus Angst vor der Diagnose oder aus Rücksicht auf den Betroffenen. Dieses Zögern kostet wertvolle Zeit. Wichtig ist ein frühzeitiger Therapiebeginn, denn die Behandlung kann den Verlauf verlangsamen und die geistige Leistungsfähigkeit länger erhalten.

Den Verdacht abklären kann zunächst der Hausarzt, oft folgt die Überweisung an eine Gedächtnissprechstunde oder einen Facharzt. Bekannte Testverfahren wie der DemTect, der Mini-Mental-Status-Test, der MoCa-Test oder der Uhrentest geben erste Hinweise. Eine gesicherte Diagnose stellt jedoch erst der Arzt nach umfassender Untersuchung, die kognitive Leistungsfähigkeit, verändertes Verhalten und mögliche körperliche Ursachen einbezieht.

Je eher die Form der Demenz feststeht, desto gezielter lässt sich behandeln und desto besser können Sie als Familie planen, von der Wohnsituation bis zu rechtlichen Fragen wie Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.

Lässt sich Demenz vorbeugen?

Eine Garantie gibt es nicht, aber das Risiko lässt sich beeinflussen. Was dem Körper schadet, schadet auch dem Gehirn: Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck erhöhen das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, geistige Aktivität und soziale Kontakte gelten als schützende Faktoren. Wer Bluthochdruck, Diabetes oder einen hohen Cholesterinspiegel konsequent behandeln lässt, senkt sein Risiko zusätzlich.

Ausführliche, geprüfte Informationen zu Krankheitsbild, Prävention und Versorgung bietet der Online-Ratgeber Demenz des Bundesgesundheitsministeriums.

Den Alltag mit Demenz gestalten

Eine Demenzdiagnose verändert das Leben, beendet es aber nicht von einem Tag auf den anderen. Das Hauptziel jeder Begleitung sollte sein, dem erkrankten Menschen noch möglichst viele gute Tage zu verschaffen. Drei Leitlinien helfen dabei:

  • Die geistige Leistungsfähigkeit so lange wie möglich erhalten, etwa durch vertraute Routinen und sinnvolle Beschäftigung
  • Verhaltensauffälligkeiten lindern, statt sie zu unterdrücken
  • Den Betroffenen befähigen, alltägliche Tätigkeiten wie Ankleiden und Essen so lange wie möglich selbst zu erledigen

Entscheidend ist die Haltung. Begegnung sollte von Achtung und Wertschätzung geprägt sein. Ein Mensch mit Demenz soll nicht ruhiggestellt, sondern so weit wie machbar aktiv gehalten werden. Auch das Wohnumfeld lässt sich anpassen: feste Plätze für wichtige Gegenstände, gute Beleuchtung, klare Strukturen und Erinnerungshilfen geben Sicherheit.

Manche Betroffene leben im Frühstadium weiterhin allein und fühlen sich in ihrer gewohnten Umgebung wohler und selbstbestimmter. Das kann gut funktionieren, wenn ein tragfähiges Unterstützungsnetz aus Angehörigen, Nachbarn und professioneller Hilfe besteht. Wie lange das möglich ist, hängt vom Verlauf und von der verfügbaren Begleitung ab.

Wie wir Sie in Pforzheim unterstützen

Die Begleitung eines Menschen mit Demenz ist eine Aufgabe, die Familien an ihre Grenzen bringen kann. Sie müssen sie nicht allein bewältigen. Die Demenz-Therapie steht auf zwei Säulen: der medikamentösen Behandlung und der psychosozialen Betreuung. Bei der zweiten Säule unterstützen wir Sie.

Wir beraten zu pflegerischen Ansätzen, etwa zur Tagesstruktur, zur Gestaltung des Umfelds und zur Entlastung der Angehörigen. Unsere Kranken- und Altenpflege übernimmt pflegerische Aufgaben bei Ihnen zu Hause, durch unseren mobilen Dienst können wir bei der Versorgung und den Kontakten im Alltag unterstützen. Unsere hauswirtschaftlichen Dienste entlasten im Haushalt. 

Einen Überblick über alle Pflegedienstleistungen finden Sie auf unserer Leistungsseite.

Eine wichtige Anlaufstelle ist außerdem die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. (Telefon 0711 248496-60, info@alzheimer-bw.de), bei der Sie weiteres Informationsmaterial anfordern können.

Sie möchten wissen, welche Unterstützung in Ihrer Situation passt? Nehmen Sie Kontakt mit der Diakoniestation Pforzheim auf. Wir hören zu, beraten Sie persönlich und finden gemeinsam einen Weg, der für Ihre Familie tragfähig ist.