Warum nehmen Schmerzen im Alter zu?
Mit dem Alter verändert sich der Bewegungsapparat. Der Knorpel in den Gelenken wird dünner, die Knochendichte nimmt ab, Muskeln und Sehnen verlieren an Kraft und Elastizität. Dadurch wird der Körper anfälliger für Überlastungen und Entzündungen. Gelenkschmerzen im Alter gehören deshalb zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Studien zufolge sind zwischen 50 und 86 Prozent der über 65-Jährigen betroffen.
Häufige Ursachen: von Arthrose bis Osteoporose
Hinter Schmerzen im Alter stecken meist mehrere Auslöser gleichzeitig. Arthrose entsteht durch den Verschleiß des Gelenkknorpels, sodass Knochen direkter aufeinander reiben. Osteoporose lässt die Knochen an Dichte verlieren, was zu Schmerzen und im ungünstigen Fall zu Brüchen führt. Bei der Sarkopenie baut sich Muskelmasse ab, wodurch die Gelenke weniger gestützt werden. Ein Vitamin-D-Mangel kann Knochen- und Muskelschmerzen zusätzlich begünstigen. Auch eine schlechtere Durchblutung und Nervenveränderungen spielen eine Rolle. Weil sich diese Faktoren überlagern, lassen sich Schmerzen im Alter nicht immer auf Anhieb einer einzigen Ursache zuordnen.
Wenn Schmerzen chronisch werden
Halten Schmerzen über Wochen an, kann sich ein sogenanntes Schmerzgedächtnis bilden. Das Nervensystem reagiert dann empfindlicher und der Schmerz besteht fort, auch wenn die ursprüngliche Ursache abgeklungen ist. So entsteht ein Kreislauf aus Schmerz, Schonung, Bewegungsmangel und weiterer Verschlechterung. Chronische Schmerzen im Alter wirken sich außerdem auf Schlaf, Appetit und Psyche aus und können bis zu Rückzug und Depression führen. Deshalb ist es wichtig, akute Schmerzen früh und wirksam zu behandeln, damit sie gar nicht erst chronisch werden.
Schmerzen sind kein unvermeidlicher Teil des Älterwerdens. Wer früh handelt, verhindert oft, dass aus vorübergehenden Beschwerden ein Dauerzustand wird.
Schmerzen im Alter richtig erkennen und einschätzen
Bevor eine Behandlung greift, muss der Schmerz erst einmal sichtbar werden. Hier liegt eine der größten Hürden.
Warum ältere Menschen oft nicht über Schmerzen sprechen
Viele ältere Menschen reden nicht oder nicht mehr über ihre Schmerzen. Manche halten sie für normal, andere möchten niemandem zur Last fallen, wieder andere fürchten sich vor Untersuchungen oder vor Nebenwirkungen von Medikamenten. Hinzu kommt, dass die Schmerzschwelle mit dem Alter zwar messbar steigt, chronische Schmerzen aber trotzdem häufiger werden. Werden Beschwerden verschwiegen, bleiben sie unbehandelt. Ein offenes Gespräch ist deshalb der erste Schritt. Fragen wie „Haben Sie zurzeit schmerzbedingte Probleme?“, „Wo genau tut es weh?“ oder „Sind Ihre Schmerzen ausreichend gelindert?“ helfen, die Situation greifbar zu machen.
Schmerzen bei Demenz erkennen
Besonders schwierig wird es, wenn Betroffene ihre Schmerzen nicht mehr in Worte fassen können, etwa bei einer fortgeschrittenen Demenz. Dann verraten sich Schmerzen über Verhalten und Körpersprache: ein verändertes Gesicht, Stöhnen, Unruhe, Abwehr bei der Pflege, Appetitlosigkeit oder Rückzug. Angehörige, die diese Zeichen deuten lernen, können viel bewirken. Wie Sie erste Anzeichen einordnen, lesen Sie in unserem Ratgeber zum Thema Demenz erkennen. Unsere Pflegefachkräfte unterstützen Sie bei der Einschätzung, wenn ein Angehöriger sich nicht mehr klar äußern kann.
Was hilft gegen Schmerzen im Alter?
Erfreulicherweise lassen sich Schmerzen im Alter in den meisten Fällen gut behandeln. Wirksam ist fast immer eine Kombination aus Bewegung, nicht-medikamentösen Maßnahmen und, wo nötig, gut abgestimmten Medikamenten.
Bewegung statt Schonung
Der verständliche Reflex bei Schmerzen ist Schonung. Bei den meisten Beschwerden im Alter ist jedoch das Gegenteil hilfreich. Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung stärkt die Muskeln, fördert die Durchblutung und stützt die Gelenke. Geeignet ist jede Aktivität, die Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer fördert, von Spaziergängen über Schwimmen bis zu gezielter Gymnastik. Eine Begleitung durch Physiotherapie hilft, das richtige Maß zu finden. Weil Bewegung auch das Sturzrisiko senkt, lohnt sich ein Blick auf unsere Hinweise zum Thema Stürze im Alter vorbeugen.
Schmerzen lindern ohne Medikamente
Neben Bewegung gibt es viele Wege, Schmerzen ohne oder ergänzend zu Medikamenten zu lindern. Wärme entspannt verspannte Muskeln, Kälte kann bei akuten Entzündungen guttun. Massagen, Physiotherapie und Entspannungsverfahren wirken ebenfalls. Auch eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Körpergewicht entlasten die Gelenke. Diese Methoden lassen sich gut in den Alltag einbauen und haben kaum Nebenwirkungen.
Schmerzmittel im Alter: Was Sie beachten sollten
Reichen nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht aus, kommen Schmerzmittel ins Spiel. Bei älteren Menschen ist dabei besondere Vorsicht geboten, denn Organismus und Stoffwechsel reagieren anders. Paracetamol und Metamizol gelten als vergleichsweise gut verträgliche Wirkstoffe für ältere Menschen. Entzündungshemmer wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen (NSAR) können zwar helfen, bergen ab 65 Jahren aber ein höheres Risiko für Magen-Darm-Blutungen, Nieren- und Herz-Kreislauf-Probleme, besonders bei gleichzeitiger Einnahme blutdrucksenkender Mittel. In der Schmerzmedizin gilt für ältere Menschen deshalb der Grundsatz „start low, go slow“, also niedrig dosiert beginnen und langsam steigern. Welches Mittel in welcher Dosis das richtige ist, entscheidet immer die Ärztin oder der Arzt. Die Diakoniestation ersetzt keine ärztliche Behandlung, unterstützt Sie aber bei der zuverlässigen Einnahme und beobachtet die Wirkung.
Unterstützung durch die ambulante Pflege
Eine Schmerztherapie zu Hause gelingt am besten im Zusammenspiel von Ärztin oder Arzt, Angehörigen und einem erfahrenen Pflegedienst. Die medikamentöse Behandlung führt der Arzt durch. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen sich mit der Entstehung von Schmerzen und mit der Wirkung von Schmerzmitteln gerade bei älteren Menschen aus. Sie helfen bei der Erfassung und Einschätzung der Beschwerden und unterstützen so den Erfolg der Behandlung. In unserer Pflegeberatung klären wir gemeinsam mit Ihnen, welche Unterstützung im Alltag sinnvoll ist. Bei Bedarf begleiten wir Sie mit qualifizierter Kranken- und Altenpflege direkt bei Ihnen zu Hause.