Wie häufig sind Stürze im Alter?

Rund ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei Menschen über 80 ist es etwa jeder Zweite. In Pflegeheimen liegt die Quote noch höher, weil dort Menschen mit stark eingeschränkter Mobilität leben.

Die meisten Stürze passieren nicht draußen auf Glatteis, sondern zu Hause. Ob beim Aufstehen aus dem Bett, auf dem Weg zur Toilette, auf der Treppe oder über die Teppichkante. Genau das ist die gute Nachricht. Das eigene Zuhause lässt sich verändern und das eigene Sturzrisiko auch.

Warum stürzen ältere Menschen so oft?

Ein Sturz hat selten nur eine Ursache. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Körperliche Veränderungen, Erkrankungen, Medikamente und Stolperfallen in der Wohnung sind die häufigsten Gründe. Fachleute unterscheiden zwischen Risikofaktoren, die im Körper liegen und solchen, die aus der Umgebung kommen.

Körperliche Ursachen: Was sich mit dem Alter verändert

Mit den Jahren nehmen Muskelkraft, Gleichgewichtssinn und Reaktionsgeschwindigkeit ab. Ein junger Mensch fängt einen Stolperer ab, ein älterer Mensch stürzt bei derselben Unebenheit. Hinzu kommen typische Risikofaktoren:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparats und des Nervensystems: Parkinson, Osteoporose oder die Folgen eines Schlaganfalls beeinträchtigen Gang und Gleichgewicht.
  • Seh- und Hörprobleme: Wer Stufen, Kanten oder Hindernisse schlecht erkennt, stürzt leichter.
  • Medikamente: Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Blutdrucksenker und die Kombination mehrerer Präparate können Schwindel und Benommenheit auslösen. Auch Alkohol erhöht das Risiko.
  • Inkontinenz: Der nächtliche, eilige Gang zur Toilette ist eine klassische Sturzsituation.
  • Konzentrationsschwächen und Demenz: Wer Gefahren nicht mehr richtig einschätzt, stürzt deutlich häufiger.
  • Kreislaufprobleme: Ein plötzlicher Blutdruckabfall beim Aufstehen kann zu Schwindel oder kurzer Ohnmacht führen.

Gefahren in der Wohnung: Die unterschätzten Stolperfallen

Viele Wohnungen sind über Jahrzehnte gewachsen, aber nicht mitgealtert. Typische Gefahrenquellen sind lose Teppichkanten, Kabel auf dem Boden, glatte Fliesen im Bad, fehlende Handläufe an der Treppe, schlechte Beleuchtung im Flur und Schränke, die nur mit Trittleiter erreichbar sind. Auch ein zu niedriges Bett oder eine zu niedrige Toilette machen das Aufstehen unsicher.

Wenn jemand immer wieder stürzt

Stürzt ein Mensch wiederholt innerhalb weniger Monate, steckt fast immer mehr dahinter als Unachtsamkeit. Mediziner sprechen vom geriatrischen Sturzsyndrom, wenn mehrere altersbedingte Faktoren zusammenwirken und Stürze sich häufen. Wiederholte Stürze sind ein Warnsignal, das ärztlich abgeklärt gehört: Stimmt die Medikation noch? Gibt es eine unerkannte Erkrankung? Hat sich das Sehvermögen verschlechtert? Sprechen Sie das Thema beim Hausarzt aktiv an, auch wenn der Sturz glimpflich ausging.

Welche Folgen kann ein Sturz im Alter haben?

Körperliche Folgen

Bei jüngeren Menschen bleibt es meist bei Prellungen. Im Alter sieht das anders aus: Die Knochen sind weniger belastbar, besonders bei Osteoporose. Häufige Sturzfolgen sind Wunden, Prellungen, Oberschenkelhals- und Hüftbrüche sowie Kopfverletzungen. Ein Oberschenkelhalsbruch bedeutet in der Regel Operation, Krankenhausaufenthalt und eine wochen- bis monatelange Rehabilitation. Ein Teil der Betroffenen erreicht die frühere Beweglichkeit nicht mehr vollständig.

Die Angst nach dem Sturz

Menschen, die einmal gestürzt sind, entwickeln oft große Angst vor weiteren Stürzen. Sie verlieren das Vertrauen in die eigene Körperbeherrschung, bewegen sich weniger, ziehen sich zurück. Genau diese Schonung schwächt jedoch Muskeln und Gleichgewicht weiter und erhöht das Risiko für den nächsten Sturz. Aus einem einzelnen Ereignis wird so ein Kreislauf, der bis zum Verlust der selbständigen Lebensführung reichen kann. Der Sturz wird zum Umsturz für den weiteren Lebensverlauf. Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist das Ziel jeder Sturzprophylaxe.

Sturzrisiko einschätzen: Die Checkliste

Eine rechtzeitige Einschätzung der Risikofaktoren kann Stürze verhindern. Gehen Sie die folgenden Fragen ehrlich durch, für sich selbst oder gemeinsam mit Ihrem Angehörigen:

Zur Person:

  • Sind Sie 65 Jahre oder älter?
  • Können Sie ohne Probleme 15 bis 20 Sekunden auf einem Bein stehen?
  • Leiden Sie an Erkrankungen, die den Bewegungsapparat beeinträchtigen, etwa Parkinson, Osteoporose oder den Folgen eines Schlaganfalls?
  • Leiden Sie unter Blasenschwäche?
  • Hören oder sehen Sie schlecht?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente oder Alkohol zu sich?
  • Sind Sie in den letzten 6 Monaten gestürzt?
  • Haben Sie gelegentlich Konzentrationsschwächen oder ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis?

Zum Wohnraum:

  • Können Sie Ihre Treppe sicher begehen? Gibt es einen Handlauf, besteht Rutschgefahr?
  • Bergen Ihre Fußböden Stolperfallen wie Teppichkanten oder Kabel?
  • Ist Ihre Einrichtung seniorengerecht? Dazu zählen Betthöhe, gut erreichbare Ablageflächen und Schränke, gefahrloses Duschen und Baden sowie eine passende Toilettenhöhe.
  • Sind Wohnräume und Zugänge ausreichend beleuchtet?
  • Haben Sie genügend Bewegungsfreiheit in den Räumen?
  • Können Sie Ihr Telefon jederzeit sicher bedienen, um im Notfall Hilfe zu rufen?

Je mehr Gefährdungsbereiche Sie entdeckt haben, desto höher ist das Risiko, zu stürzen und sich ernsthaft zu verletzen. Spätestens wenn erste Einschränkungen der Mobilität spürbar werden, ist der richtige Zeitpunkt für vorbeugende Übungen und Maßnahmen.

Sie sind unsicher, wie Sie die Ergebnisse einordnen sollen? Unsere Pflegefachkräfte schauen sich die Situation vor Ort an. Im Rahmen unserer Beratungsbesuche bewerten wir das Sturzrisiko in Ihrem Zuhause und zeigen konkrete Lösungen auf. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular.

Stürzen vorbeugen: Sturzprophylaxe, die im Alltag funktioniert

Sturzprophylaxe steht auf drei Säulen: Bewegung, ein sicheres Wohnumfeld und der richtige Umgang mit persönlichen Risikofaktoren.

Kraft und Gleichgewicht trainieren

Muskelkraft, Gleichgewicht und Koordination lassen sich in jedem Alter verbessern. Schon 10 Minuten am Tag machen einen Unterschied. Bewährt haben sich:

  • Tägliche Spaziergänge an der frischen Luft. Regelmäßiges Gehen erhält die Beinkraft und das Gangbild.
  • Gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining. Übungen wie der Einbeinstand mit Festhaltemöglichkeit, Aufstehen vom Stuhl ohne Armeinsatz oder Zehenstand am Küchentisch kräftigen genau die Muskulatur, die Stürze abfängt.
  • Bewegung in den Alltag einbauen. Treppe statt Aufzug, zu Fuß zum Bäcker, Gymnastik beim Fernsehen.

Wichtig ist der passende Einstieg. Wer lange inaktiv war oder bereits gestürzt ist, sollte nicht auf eigene Faust mit anspruchsvollen Übungen beginnen. Unsere Mitarbeitenden helfen Ihnen, den für Sie passenden Einstieg zu finden.

Die Wohnung sicher machen

Viele Maßnahmen kosten wenig und wirken sofort:

  • Teppichkanten fixieren oder lose Läufer entfernen, Kabel an der Wand verlegen
  • Handläufe an Treppen anbringen, möglichst beidseitig
  • Rutschfeste Matten in Dusche und Badewanne, Haltegriffe im Bad montieren
  • Beleuchtung verbessern, vor allem im Flur und auf dem nächtlichen Weg zur Toilette, etwa durch Bewegungsmelder oder Nachtlichter
  • Häufig genutzte Gegenstände in greifbarer Höhe lagern, damit keine Trittleiter nötig ist
  • Betthöhe und Toilettenhöhe anpassen, sodass Aufstehen und Hinsetzen sicher gelingen

Hilfsmittel nutzen

Für viele Risikosituationen gibt es erprobte Hilfsmittel: Gehhilfen und Rollatoren für unsichere Wege, Hüftprotektoren zum Schutz vor Brüchen, Badehilfen für das sichere Duschen und ein Hausnotruf, mit dem im Ernstfall per Knopfdruck Hilfe kommt. Welche Hilfsmittel sinnvoll sind und was die Pflegekasse übernimmt, hängt vom Einzelfall ab. Sprechen Sie mit uns, wir beraten Sie gerne zu den passenden Hilfsmitteln.

Sehen, Hören und Medikamente regelmäßig prüfen

Lassen Sie Augen und Ohren regelmäßig kontrollieren und Brillen anpassen. Bitten Sie Hausarzt oder Apotheke einmal jährlich, alle Medikamente gemeinsam zu prüfen. Gerade Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie die Kombination vieler Präparate erhöhen die Sturzgefahr. Setzen Sie Medikamente aber nie eigenmächtig ab, sondern immer in Absprache mit dem Arzt.

Was tun, wenn ein älterer Mensch gestürzt ist?

Trotz aller Vorsicht kann es passieren. Dann zählt das richtige Vorgehen:

  • Ruhe bewahren und nicht sofort hochziehen. Hektisches Aufhelfen kann Verletzungen verschlimmern.
  • Verletzungen prüfen. Starke Schmerzen, eine sichtbare Fehlstellung des Beins, Kopfverletzungen oder Bewusstseinsstörungen sind Fälle für den Notruf 112. Das gilt auch, wenn die Person nicht aufstehen kann.
  • Beim Aufstehen helfen, wenn keine Verletzung erkennbar ist. Bewährt hat sich der Weg über die Seitenlage in den Vierfüßlerstand, dann mit Abstützen an einem stabilen Möbelstück langsam hochkommen. Geben Sie der Person Zeit.
  • Den Sturz nicht abtun. Auch nach einem glimpflichen Sturz sollte der Hausarzt informiert werden. Bei älteren Menschen können sich Folgen wie Blutergüsse im Kopf verzögert zeigen, besonders unter blutverdünnenden Medikamenten.
  • Die Ursache klären. War es eine Stolperfalle, Schwindel, ein Schwächegefühl? Die Antwort bestimmt, welche Vorbeugung jetzt nötig ist.