Pflegefachkraft berät eine ältere Frau in ihrem Wohnzimmer zu Blasenschwäche und passenden Hilfsmitteln

Was Inkontinenz im Alter bedeutet

Von Inkontinenz sprechen Fachleute, wenn Urin oder Stuhl ungewollt abgehen. Mit zunehmendem Alter verändern sich Blase und Beckenboden, die Muskulatur wird schwächer und Erkrankungen kommen hinzu. Deshalb tritt Inkontinenz im Alter deutlich häufiger auf als in jüngeren Jahren. In Pflegeeinrichtungen betrifft sie bis zu 80 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner.

Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz

Am häufigsten ist die Harninkontinenz, im Alltag meist Blasenschwäche genannt. Seltener, für Betroffene aber oft noch belastender, ist die Stuhlinkontinenz. Dabei lassen sich Stuhl oder Darmwinde nicht mehr sicher zurückhalten. Beide Formen können auch gleichzeitig auftreten.

Die häufigsten Formen der Blasenschwäche

  • Belastungsinkontinenz. Beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben geht Urin ab, weil der Beckenboden den Druck nicht mehr abfängt.
  • Dranginkontinenz. Ein plötzlicher, sehr starker Harndrang lässt kaum Zeit, die Toilette zu erreichen.
  • Mischinkontinenz. Belastungs- und Dranginkontinenz kommen zusammen vor.
  • Überlaufinkontinenz. Die Blase entleert sich nicht vollständig und läuft bei voller Füllung über, oft ohne spürbaren Harndrang.
  • Neurogene Inkontinenz. Nervenschäden, etwa nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson, stören die Steuerung der Blase.

Welche Form vorliegt, bestimmt die Behandlung. Eine ärztliche Abklärung lohnt sich deshalb auch dann, wenn die Beschwerden noch gering wirken.

Anzeichen: Woran Sie Blasen- und Darmschwäche erkennen

Nicht jede Inkontinenz zeigt sich durch eine nasse Hose. Häufig sind es kleine Veränderungen, die auffallen. Die folgenden Fragen helfen bei einer ersten Einschätzung.

  • Verlieren Sie ungewollt Urin oder Stuhl?
  • Tragen Sie Vorlagen oder andere Hilfsmittel, um Urin oder Stuhl aufzufangen?
  • Fällt es Ihnen schwer, die Harnblase zu kontrollieren oder vollständig zu leeren?
  • Können Sie Darmwinde schlecht zurückhalten oder haben Sie andere Probleme mit dem Darm?
  • Gibt es öfter verschmutzte Wäsche?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit Ja beantworten, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Angehörige bemerken eine Darmschwäche oder Blasenschwäche manchmal früher als die Betroffenen selbst, etwa an versteckter Wäsche, an auffällig häufigem Duschen oder daran, dass jemand plötzlich weniger trinkt.

Inkontinenz hat nichts mit Nachlässigkeit zu tun. Ein ruhiges, offenes Gespräch nimmt Betroffenen viel Druck.

Wer besonders gefährdet ist

Körperliche Veränderungen und Erkrankungen

Das Risiko steigt mit dem Alter, weil sich Blase, Beckenboden und die gesamte Körperkonstitution verändern. Besonders gefährdet sind außerdem

  • Frauen, die deutlich häufiger betroffen sind als Männer, bis zum 75. Lebensjahr etwa doppelt so oft,
  • Männer nach einer Prostataoperation,
  • Menschen mit Erkrankungen wie Schlaganfall, Diabetes mellitus oder Parkinson,
  • Menschen mit Harnwegsinfekten oder Verstopfung,
  • Frauen mit hormonellen Veränderungen, zum Beispiel einem Östrogenmangel nach den Wechseljahren,
  • Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen müssen.

Inkontinenz bei Demenz

Menschen mit Demenz oder anderen Hirnleistungsstörungen spüren den Harndrang oft nicht mehr rechtzeitig, finden den Weg zur Toilette nicht oder wissen nicht mehr, wie sie die Kleidung öffnen. Feste Toilettenzeiten, eine gut erkennbare Badezimmertür und Kleidung mit Gummizug machen hier einen großen Unterschied. Welche Frühzeichen auf eine beginnende Erkrankung hinweisen, lesen Sie in unserem Ratgeber zu den ersten Anzeichen einer Demenz.

Hürden im Wohnumfeld

Oft verstärken äußere Umstände die Beschwerden. Eine schlecht erreichbare Toilette, fehlende Haltegriffe, schlechte Beleuchtung, unpraktische Kleidung oder unpassendes Inkontinenzmaterial machen aus einem kleinen Problem schnell ein großes. Wer nachts eilig zur Toilette muss, stürzt außerdem leichter. Wie Sie Stürzen im Alter vorbeugen, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst.

Kontinenzförderung: Was Sie selbst tun können

Zur Kontinenzförderung gehört alles, was die Kontrolle über Blase und Darm erhält oder zurückbringt. Vieles davon lässt sich ohne großen Aufwand in den Alltag einbauen, auch wenn bereits Hilfsmittel im Einsatz sind.

Ausreichend trinken statt weniger

Viele Betroffene trinken bewusst weniger, damit sie seltener zur Toilette müssen. Das ist verständlich, schadet aber. Stark konzentrierter Urin reizt die Blase und kann den Harndrang verstärken, dazu kommen Verstopfung und Kreislaufprobleme. Empfohlen werden etwa 1,5 Liter am Tag, sofern Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nichts anderes rät. Wer nachts häufig aufstehen muss, trinkt den Großteil am besten über den Vormittag und Nachmittag verteilt. Weitere Tipps gegen ein Flüssigkeitsdefizit im Alter finden Sie in unserem Ratgeber zur Mangelernährung.

Ältere Frau trinkt aus einem Glas Wasser, ausreichendes Trinken entlastet die Blase

Ernährung und Verdauung

Eine ballaststoffreiche Ernährung beugt Verstopfung vor. Ein regelmäßiger Stuhlgang entlastet Blase und Beckenboden, weil kein voller Darm auf die Blase drückt. Bei Übergewicht kann es helfen, einige Kilo abzunehmen, denn jedes Kilo weniger verringert den Druck auf den Beckenboden.

Beckenbodentraining und Bewegung

Gezieltes Beckenbodentraining gilt bei Belastungs- und Mischinkontinenz als Behandlung der ersten Wahl. Die Übungen kräftigen die Muskeln, die Blase und Darm verschließen. Am besten wirkt das Training, wenn eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut die richtige Technik anleitet und Sie die Übungen danach regelmäßig zu Hause wiederholen. Jede weitere Bewegung im Alltag, vom kurzen Spaziergang bis zu Übungen im Sitzen, erhält Kraft und Beweglichkeit und erleichtert den Weg zur Toilette.

Älterer Mann im Rollstuhl macht zu Hause mit einer Pflegekraft Kräftigungsübungen mit einem Übungsband

Toilettentraining und Blasentraining

Beim Toilettentraining gehen Betroffene zu festen Zeiten zur Toilette, bei Harninkontinenz etwa alle zwei bis drei Stunden, bei Stuhlinkontinenz bevorzugt nach den Mahlzeiten. Das Blasentraining geht einen Schritt weiter. Die Abstände zwischen den Toilettengängen werden dabei langsam verlängert, damit die Blase wieder mehr Urin halten kann. Ein Trink- und Toilettenprotokoll über einige Tage zeigt, wann es zu Problemen kommt, und hilft später auch bei der ärztlichen Abklärung.

Kleidung und Wohnung anpassen

Hosen und Röcke mit Gummizug oder Klettverschluss lassen sich schnell öffnen. Der Weg zur Toilette sollte frei von Stolperfallen und nachts beleuchtet sein, zum Beispiel mit Nachtlichtern oder Bewegungsmeldern. Haltegriffe und eine Toilettensitzerhöhung erleichtern das Hinsetzen und Aufstehen. Für die Nacht kann ein Toilettenstuhl neben dem Bett sinnvoll sein.

Inkontinenz im Alter behandeln: Arzt, Therapie und Hilfsmittel

Inkontinenz-Ursachen ärztlich klären lassen

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, von dort geht es bei Bedarf weiter in die Urologie, Gynäkologie oder Neurologie. Ärztin oder Arzt fragen nach den Beschwerden, untersuchen und prüfen zum Beispiel, ob ein Harnwegsinfekt vorliegt oder Restharn in der Blase bleibt. Hilfreich ist ein Miktionstagebuch, in dem Sie über mehrere Tage Trinkmenge, Toilettengänge und ungewollten Urinverlust notieren. Bringen Sie auch Ihren Medikamentenplan mit, da manche Wirkstoffe eine Inkontinenz verstärken können.

Je nach Ursache kommen Beckenbodentraining, Medikamente, bei Frauen eine örtliche Hormonbehandlung oder in manchen Fällen eine Operation infrage. Lässt sich ein Auslöser wie ein Harnwegsinfekt oder eine Verstopfung beheben, bessern sich die Beschwerden oft schnell.

Inkontinenzmaterial richtig auswählen

Aufsaugende Hilfsmittel reichen von dünnen Einlagen über Vorlagen bis zu Inkontinenzhosen. Daneben gibt es ableitende Systeme wie Katheter. Welches Inkontinenzmaterial passt, hängt von der Menge des Urinverlusts, der Beweglichkeit und dem Tagesablauf ab. Zu saugstarke Produkte sind unbequem und teuer, zu schwache laufen aus. Lassen Sie sich deshalb zu Größe, Form und Saugstärke beraten. Für die Reinigung genügen klares, lauwarmes Wasser oder eine milde Intim-Waschlotion. Wie Sie die Haut zusätzlich schützen, erfahren Sie in unserem Beitrag zur Hautpflege bei pflegebedürftigen Menschen.

Was die Krankenkasse bei der Inkontinenzversorgung übernimmt

Bei einer mindestens mittelgradigen Inkontinenz übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Versorgung mit aufsaugenden Hilfsmitteln. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung. Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent, höchstens 10 Euro im Monat. Bezogen werden die Produkte über die Vertragspartner Ihrer Krankenkasse. Wer ohne medizinischen Grund hochwertigere Produkte wählt, trägt den Aufpreis selbst.

Fragen Sie vor der ersten Bestellung bei Ihrer Krankenkasse nach den Vertragspartnern, sonst bleiben Sie unter Umständen auf den Kosten sitzen.

Wie die Diakoniestation Pforzheim Sie bei der Kontinenzförderung unterstützt

Für Pflegefachkräfte in Deutschland gibt der Expertenstandard „Kontinenzförderung in der Pflege“ des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege den fachlichen Rahmen vor, zuletzt aktualisiert im Januar 2024. Er sieht vor, dass Risiken und Anzeichen früh eingeschätzt und Betroffene informiert, geschult oder beraten werden.

Unsere Mitarbeitenden beraten Sie individuell zur Verbesserung, Behandlung und Vorbeugung einer Inkontinenz. Dazu gehören zum Beispiel Blasentraining, Beckenbodenübungen und die Auswahl passender Versorgungssysteme. Die Beratung findet bei Ihnen zu Hause statt, also dort, wo die Hürden im Alltag tatsächlich liegen. Pflegende Angehörige leiten wir vor Ort im Umgang mit Hilfsmitteln an. Die Kosten für Pflegeberatung und Pflegeschulung übernehmen die meisten Pflegekassen. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite zur Pflegeberatung bei Ihnen zu Hause. Liegt noch kein Pflegegrad vor, hilft Ihnen unser Ratgeber Pflegegrad beantragen weiter.

Sie erreichen uns telefonisch unter 07231 15415-0 oder per E-Mail an info@dkspf.de.